Achtsamkeit im Herbst: Was uns die Tag-und-Nachtgleiche über Loslassen und Resilienz lehrt


Jetzt ein guter Moment, zurückzuschauen auf das Jahr.
Am 23. September ist Tagundnachtgleiche. Tag und Nacht begegnen sich für einen Moment nahezu auf Augenhöhe. Danach werden die Tage wieder kürzer, die Nächte länger und die Natur beginnt sich sichtbar zu verändern.
Für mich ist diese Zeit eine besondere Schwelle im Jahreskreis.
Eine Zeit zwischen Fülle und Rückzug.
Zwischen Ernte und Loslassen.
Zwischen dem, was war, und dem, was vor uns liegt.
Jetzt ist eine gute Zeit, um uns selbst zu fragen:
Was habe ich in diesem Jahr bereits geerntet?
Was möchte ich würdigen?
Und was darf jetzt langsam losgelassen werden?

Die Zeit der Ernte
Wenn wir vom Herbst sprechen, denken wir oft zuerst an fallende Blätter, kürzere Tage und die bevorstehende dunkle Jahreszeit.
Der Herbst ist zunächst einmal eine Zeit der Fülle.
Die Früchte sind gereift.
Getreide wurde eingebracht.
Samen sind entstanden.
Was im Frühling begonnen und im Sommer gewachsen ist, wird sichtbar.
Auch in unserem eigenen Leben gibt es eine Ernte.
Vielleicht hast du in diesem Jahr etwas gelernt.
Vielleicht hast du eine schwierige Zeit bewältigt.
Vielleicht bist du mutiger geworden.
Vielleicht hast du eine Entscheidung getroffen, die lange auf sich warten ließ.
Vielleicht hast du gelernt, deine eigenen Grenzen besser wahrzunehmen.
Oder vielleicht ist deine persönliche Ernte etwas ganz Kleines, das auf den ersten Blick gar nicht spektakulär erscheint:
mehr Ruhe,
ein neues Vertrauen,
ein Gespräch, das längst überfällig war,
ein Spaziergang, den du dir endlich wieder regelmäßig gönnst.
Wir schauen so oft auf das, was noch fehlt.
Der Herbst lädt uns ein, auch einmal auf das zu schauen, was bereits da ist.

Was ist deine persönliche Ernte?
Vielleicht möchtest du in diesen Tagen einen Spaziergang machen und dir diese Frage mitnehmen:
Was ist in diesem Jahr in meinem Leben gewachsen?
Lass dir Zeit mit der Antwort.
Vielleicht kommt sie nicht sofort.
Vielleicht zeigt sie sich in einem Bild, einem Gedanken oder einem Gefühl.
Und vielleicht entdeckst du dabei etwas, das du im Alltag leicht übersiehst:
Du bist weitergekommen.
Nicht unbedingt so, wie du es geplant hattest.
Aber auf deine eigene Weise.

Loslassen bedeutet nicht, etwas wegzuwerfen
Im Herbst können wir beobachten, wie die Bäume ihre Blätter loslassen.
Dabei ist dieses Loslassen kein Scheitern.
Der Baum gibt die Blätter nicht ab, weil sie wertlos geworden sind.
Ihre Aufgabe ist erfüllt.
Die Natur kennt den richtigen Zeitpunkt für Veränderung.
Sie hält nicht krampfhaft an dem fest, was einmal richtig war.
Vielleicht ist das eine schöne Einladung auch für uns.
Gibt es etwas, das seine Aufgabe in deinem Leben erfüllt hat?
Eine Erwartung?
Ein alter Anspruch an dich selbst?
Eine Gewohnheit?
Ein “Ich müsste eigentlich …“?
Eine Vorstellung davon, wie dein Leben sein sollte?
Loslassen bedeutet nicht aufgeben. Es bedeutet, Platz zu schaffen.
Manchmal beginnt Loslassen ganz leise:
mit der Erlaubnis, etwas nicht mehr tragen zu müssen.
Mit einem inneren:
Das darf jetzt anders werden.

Der Rückzug beginnt
Nach der Tagundnachtgleiche wird es zunehmend früher dunkel.
Die Natur zieht ihre Kräfte langsam zurück.
Für uns Menschen ist das nicht immer einfach.
Unser Alltag bleibt oft gleich schnell, auch wenn sich die Natur längst verändert hat.
Wir arbeiten weiter, planen weiter, funktionieren weiter.
Vielleicht können wir uns deshalb vom Jahreskreis daran erinnern lassen, dass nicht jede Zeit des Jahres eine Zeit des Aufbruchs sein muss.
Es gibt Zeiten des Wachstums.
Zeiten der Fülle.
Zeiten der Ernte.
Und es gibt Zeiten des Rückzugs.
Auch Rückzug ist Teil des Lebens.
Nicht als Stillstand.
Sondern als Möglichkeit, Erfahrungen zu verarbeiten, Kräfte zu sammeln und wieder wahrzunehmen, was uns wirklich wichtig ist.

Was die Natur mit unserer Resilienz zu tun hat
Resilienz bedeutet nicht, dass wir immer stark sein müssen.
Für mich bedeutet Resilienz auch, die eigenen Ressourcen wahrzunehmen und immer wieder Möglichkeiten zu finden, mit Veränderungen und Herausforderungen umzugehen.
Die Natur kann dabei ein wertvoller Erfahrungsraum sein.
Wenn wir bewusst draußen unterwegs sind, verlassen wir für einen Moment den gewohnten Gedankenstrom.
Wir hören den Wind.
Wir nehmen Gerüche wahr.
Wir spüren den Boden unter unseren Füßen.
Wir sehen Farben, Formen und Veränderungen, die uns im Vorübergehen vielleicht sonst entgehen würden.
Wir müssen dabei nichts leisten.
Wir dürfen einfach wahrnehmen.
Gerade das kann eine wohltuende Gegenbewegung zu einem Alltag sein, in dem so vieles schnell, digital und zielorientiert geschieht.

Ein kleiner Herbstmoment für dich - Achtsamkeit im Herbst
Vielleicht möchtest du dir in den nächsten Tagen eine halbe Stunde Zeit nehmen.
Geh nach draußen.
Am besten ohne Kopfhörer und ohne konkretes Ziel.
Lass dein Tempo langsamer werden.
Und nimm drei Fragen mit:
1. Was ist meine Ernte?
Was habe ich in diesem Jahr gelernt, erlebt oder entwickelt?
2. Was möchte ich würdigen?
Wofür bin ich dankbar?
3. Was darf gehen?
Was möchte ich nicht mit in die kommende Jahreszeit nehmen?
Vielleicht findest du unterwegs ein Blatt, einen Stein, eine Frucht oder einen anderen Naturgegenstand.
Nimm ihn für einen Moment in die Hand.
Nicht als Lösung.
Sondern als Symbol.
Was möchte ich bewahren?
Was darf ich loslassen?

Erntedank – auch für das eigene Leben
Im Oktober kommt mit dem Erntedankfest noch einmal ganz ausdrücklich die Frage nach der Ernte in den Blick.
Dabei muss Ernte nicht nur materiell verstanden werden.
Wir können auch das würdigen, was in uns gewachsen ist.
Unsere Erfahrungen.
Unsere Beziehungen.
Unsere Erkenntnisse.
Unsere kleinen und großen Schritte.
Und sicher gehört zum Erntedank auch ein liebevoller Blick auf uns selbst:
Ich sehe, was dieses Jahr mit mir gemacht hat.
Ich sehe, was ich getragen habe.
Ich sehe, was gewachsen ist.
Und ich darf anerkennen, dass es genug ist.

Vielleicht brauchst du gerade keine neuen Ziele
Ich glaube, gerade im Herbst müssen wir nicht sofort wissen, was als Nächstes kommt.
Vielleicht brauchen wir zunächst einen Moment, in dem wir zurückblicken.
Einen Ort, an dem wir zur Ruhe kommen.
Natur.
Stille.
Austausch.
Zeit für uns selbst.

Genau daraus ist auch die Idee für unser Frauenwochenende “Zurückblicken und Loslassen“ im Kloster Helfta entstanden.
Vom 23. bis 25. Oktober 2026 verbinden wir Waldbaden, Achtsamkeit, Natur-Resilienz und kreative Impulse mit einer bewussten Auszeit im besonderen Rahmen des Klosters.
Wir schauen auf das, was war.
Wir würdigen unsere persönliche Ernte.
Wir gehen in die Natur.
Wir nehmen wahr.
Wir werden kreativ.
Und wir beschäftigen uns mit der Frage:
Was darf leichter werden?
Vielleicht ist jetzt die richtige Zeit, um dir diese drei Tage Achtsamkeit im Herbst zu schenken.

Und wenn die Auszeit vorbei ist?
Achtsamkeit muss nicht mit einem Wochenende enden.
Vielleicht ist das sogar das Wichtigste:
Dass wir kleine Möglichkeiten finden, sie mit in unseren Alltag zu nehmen.

Genau deshalb habe ich gemeinsam mit dem Pataka Verlag den Achtsamkeitskalender für 2027 gestaltet.
Er verbindet Naturfotografien mit Achtsamkeitsimpulsen, kleinen Übungen und Gedanken zur Natur und Resilienz.
Jeder Monat lädt dich dazu ein, einen Moment innezuhalten und die Natur bewusst wahrzunehmen.
Und in jedem Monatsblatt steckt noch etwas Besonderes:
eine Postkarte mit dem Bild und der dazugehörigen Übung.
Du kannst sie ausschneiden und einem lieben Menschen schicken.
Oder du behältst sie selbst.
Als kleine Erinnerung.
Als Impuls für deinen Alltag.
Als Einladung, immer wieder nach draußen zu gehen.
So kann aus einem Kalender ein Begleiter werden:
durch zwölf Monate,
durch verschiedene Jahreszeiten,
durch helle und dunkle Zeiten,
durch Aufbruch und Rückzug.
Bestelle den Kalender einfach bei mir (info@pädagogikundnatur.de). Du erhältst ihn per Post für 20 Euro zzgl. Versandkosten.

Zwischen Abschied und Neubeginn
Vielleicht ist das die besondere Qualität dieser Zeit:
Wir müssen noch nicht wissen, was im nächsten Frühling wachsen wird.
Jetzt dürfen wir zunächst ernten.
Dankbar sein.
Zurückblicken.
Und loslassen.
Die Natur zeigt uns jedes Jahr aufs Neue:
Es gibt eine Zeit für das Wachsen.
Eine Zeit für die Fülle.
Eine Zeit für das Loslassen.
Und eine Zeit für die Ruhe.
Vielleicht müssen wir nicht gegen diese Rhythmen leben.
Vielleicht dürfen wir wieder lernen, ihnen zu vertrauen.
Und vielleicht ist genau jetzt ein guter Moment, dich zu fragen:
Was darf bleiben?
Was darf gehen?
Und was möchtest du mitnehmen in dein nächstes Kapitel?
Ich wünsche dir offene Augen für die Schönheit des Herbstes und Vertrauen in deinen eigenen Weg.
Grüne Grüße aus der Natur Claudia
FAQ
Was bedeutet die Tagundnachtgleiche im Herbst?
Die Herbst-Tagundnachtgleiche markiert den Übergang vom Sommer in die dunklere Jahreshälfte. Tag und Nacht sind nahezu gleich lang.
Warum fällt Loslassen im Herbst leichter?
Die Natur zeigt uns im Herbst sichtbar den Wandel. Fallende Blätter und der Rückzug der Pflanzen können uns daran erinnern, Veränderungen anzunehmen.
Wie stärkt die Natur unsere Resilienz?
Naturerfahrungen können helfen, Stress abzubauen, die Aufmerksamkeit zu fokussieren und das eigene Wohlbefinden bewusster wahrzunehmen.
Was ist Waldbaden?
Waldbaden beschreibt das bewusste und achtsame Eintauchen in die Atmosphäre des Waldes. Dabei stehen Wahrnehmung, Entschleunigung und Naturerleben im Mittelpunkt.



